Gefühlsduselige Gedanken über eine Dreijährige- Über Perlen, Jähzorn und den Papst

Gretchenzöpfe, neuer schwarzer Rock, Ringelstrumpfhose – so wie sie vor einigen Tagen vor mir und in gefühlter Lichtgeschwindigkeit vor dem Spiegel stand, kam wieder einmal die gefühlsduselige Mama in mir hoch. Meine Große!, dachte ich nur. Mini-me geht jetzt seit zwei Wochen in den Kindergarten, und das mit gebührendem Stolz. Am ersten Tag poste sie gleich noch fürs Fotoalbum mit ihrem Rucksack, sie sei ja jetzt schon so groß und morgen gehe sie in die Schule.

 

Morgen – alles, was in der Zukunft liegt, ist morgen. Logisch.  Aber dass sie nun in großes Mädchen ist, ist unverkennbar. Und nein, ich meine nicht nur, dass sie sehr groß ist, gut und gerne älter geschätzt wird und auch im Kindergarten alle erstaunt, mit dem was sie schon kann. Für uns ganz selbstverständlich braucht sie tags mittlerweile keine Windeln mehr, wobei im Kindergarten eine Reihe der Dreijährigen immer noch den ganzen Tag darin verbringen, sie kann sich selbst anziehen, wenn sie denn gerade will, und gut, dass die Leggings verkehrt herum sitzt, lassen wir außen vor. Ist ja auch egal, ob das Schildchen hinten ist oder vorne. Sie entdeckt die Welt für sich, geht – jedenfalls wenn Mami oder Daddy dabei sind – furchtlos durch die Stadt, hat Energie für drei und plappert unentwegt. Am ersten Tag ihrer Kindergartenzeit hatte ich deshalb einen fetten Kloß im Hals – fast geplatzt bin ich vor Stolz auf sie.

 Mini-me & die Tulpen-small tit

An der Stelle erwähne ich lieber nicht explizit, dass sie abends plötzlich zum Baby mutiert, als Miezekätzchen durch die Gegend schnurrt, ihr Kuschelbedürfnis so groß ist wie nie und sie wie ein bettelnder Hund vor dem Regal steht, in dem früher ihre Nuckis verstaut waren, und mit imaginärem Schwanz wedelnd nach einem Nucki schreit, das sie aber schon längst nicht mehr braucht. Das nur so am Rande…

 neue Schuhe

Am Freitag ging es zum Schuhe kaufen. Ich hatte die Lage vorsondiert und absolut traumhafte Schuhe in Blau ins Auge gefasst, ein bißchen wie Chucks, aber aus Leder. Und ohne ihr davon erzählt zu haben, steuerte sie sofort auf sie zu und meinte mit fester Stimme: “Die will ich, Mami!” Gott sei Dank passten sie (ich hatte ihre Größe zurücklegen lassen) – der wohl schnellste Schuhkauf meines Lebens. Sie wurden gleich angelassen, harmonierten perfekt mit der neuen Jacke und der nigelnagelneuen Frühlingsmütze, die sie sich einige Tage zuvor aussuchen durfte (ja, Frühlingszeit ist eben Shoppingzeit für kleine (und große) Mädchen). Auch da zeigte sie Geschmack, was ich beachtlich für eine Dreijährige finde. Die Verkäuferin bot ihr die Mütze auch in Pink an, da sie perfekt zu frühlingsgrünen Jacke mir dem pinken Schmetterling passte. Aber Mini-me lehnte ab, sie wollte die weiße, wovon die Dame wenig überzeugt war, da sie blass mache. Sie hatte wohl erwartet, dass ich einstimme und auf meine Sonne einrede, aber ich fand es auch viel zu viel Pink. Außerdem soll Mini-me entscheiden – sie muss es ja auch anziehen. Verstand die Dame nicht wirklich, glaube ich, aber da meine Mama das schon so gehandhabt hat, lasse ich mich da nicht beirren und war wieder irre stolz auf sie – manchmal ist sie eben schon sehr groß für ihre drei Jahre.

Selbstverständlich suchte sie auch die Tulpen auf dem Markt aus, die sie dann voller Inbrunst durch die Geschäfte und nach hause trug.

 mini-mes tulpen

Sie ist eine Perle von Kind – meinte die Erzieherin am 2. Tag. Sie korrigierte ihre Haltung wohl etwas am Tag darauf, als unsere Perle ihren Sturkopf nach außen kehrte, weil sie wieder nach hause wollte und puterrot sich in einem Jähzornsanfall auf dem Boden wälzte… Eingewöhnung ist eben kein Zuckerschlecken, erst recht wenn gewisse Perlen plötzlich in ein anderes Zimmer zu einer anderen Betreuerin sollen. Logisch.

Aber trotz aller Ausbrüche – ist sie es eben doch, unsere Perle. Letztens saß sie mit Daddy in der Straßenbahn, vor ihnen ein Mann mit weißer (!) Robe Jacke. Plötzlich geriet sie hellauf in Aufregung : „Daddy, look, there is the Pope!“ Hm, sie ist wohl jetzt schon eine kleine Katholikin…

 tulpen

Als ich sie vor einigen Tagen ins Bett brachte und nach 3 Büchern, gefühlten 20 Kuscheleinheiten und unzähligen Gesprächen über Gott die Welt mich wirklich vollends verabschiedete, ihr eine „Gute Nacht“ wünschte, mutierte sie plötzlich zu 13. Ja, genau das Alter, wo Eltern plötzlich echt einfach nur peinlich werden. Ich: Schlaf schön, mein Liebling! – Ich hab Dich lieb.“ Mini-me: „Ja-ja – okay, Mami!“, was übersetzt vom Tonfall her so viel hieß, wie „Is` ja schon gut, Du olle gefühlsduselige Kuh!“ Ts…

 

02. März 2014 von Mrs. Popsock
Kategorien: Aus`m Leben, Kleiderschrank | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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