Soziologische Experimente in Deutschlands größter Parfümerie

Es gibt so Tage, an denen frau einfach die Nase voll hat. Gestrichen. Voll. Dafür braucht es bekanntermaßen keinen bestimmten Grund. Is einfach so. Das fängt schon früh an. Ok, Ausnahmen sind Tagesbeginne wie der an Valentinstag. Nein, es hat keine Rosen geregnet, es gab nicht mal Herzen zum Frühstück. Der Tag an sich existiert nämlich bei uns, also mir und Mr. L., einfach nicht. Wenn aber Mini-me früh zu sogar halbwegs christlichen Zeiten (halb 8 – wohooooo) ins Schlafzimmer gestiefelt kommt und mir die am Vortag selbst (ok, Mr. L. hat wohl etwas geholfen) gebastelte Karte für ihre weltbeste Mami präsentiert (ja, ok, das „weltbeste“ stammt von mir) und dabei vor Stolz und Freude fast platzt, geht mir das Herz auf.

valentinskarte

Allerdings ging ich irgendwann danach ins Bad und schaute in den Spiegel. Keine Angst, ich habe mich wiedererkannt. Aber mein erster Gedanke war, dass ich wohl so alt, wie ich in dem Moment ausgesehen habe, nie werden kann. Hm, wenn ich jetzt darüber nachdenke, bringt das fast ein wenig Wehmut mit sich. In dem Moment hätte ich meinen Kopf wohl einfach gerne ins Clo gesteckt und auf Spülen gedrückt. Stattdessen ging ich irgendwann duschen und fühlte mich zumindest erfrischt.

tulpen-tit

Was dann aber meinen Tag gerettet hat, war mein Ausflug in die Stadt. Baby und ich gegen den Rest der Welt. Naja, so ähnlich isses meist, sich an einem Samstag durch die Innenstadt zu kämpfen. Das war mir aber egal. Ich musste einfach unter Leute. Ich hab es sogar vorher noch geschafft, mir die Wimpern hochzudrehen und etwas Rouge aufzulegen. Pinker Lippenstift, Frühlingstuch und eisblauer Wollmantel. Ja, war nicht so schlecht, was sich in den Schaufenstern da spiegelte, fand ich. Da auch Mini#2 es gut mit mir meinte und ausnahmsweise mal länger schlief als ein halbes Stündchen, konnte ich meine Mission Frühlingsjacke für Babylein vollenden, diverse Babyessutensilien beschaffen und wanderte danach schnurstracks zu Douglas. Und es war wie immer – interessant. Und hat meinen Tag gerettet.

Jacke aus`m Sale von Joules - très chic

Jacke aus`m Sale von Joules – très chic

Falls jemand schon einmal das Douglas-Experiment gestartet hat, melde er sich doch bei mir. Ich hab nämlich eine Sozialstudie einberufen. Die Soziologie der Parfümerie. Unfreiwillig zugegebenermaßen. Letzte Woche war ich nämlich schon mehrmals in dem Laden – frau muss sich ja informieren, wenn sie zum Geburtstag einen Gutschein bekommt und neue Cremes und Tiegelchen benötigt. Den einen Tag bin ich einfach wie Gott mich schuf in den Laden. Ok, ich hatte etwas an, so geistig umnachtet bin ich dann doch nicht. Aber ich war ungeschminkt und im – nennen wir es – Freizeitlook. Dunkle Kutte, Mütze tief ins Gesicht gezogen. Inkognito-Style. Sofort wurde mir die preisgünstige Arganölserie gezeigt. Das mache müde Haut munter, meinte die Verkäuferin, äh Beautyberaterin. Hm, dachte ich, ich weiß ich sehe heute aus wie Ätsch, aber eine preiswerte Arganölserie stand schon bei mir im Bad, und ich wollte mir schon etwas Exklusiveres leisten. Also zog ich unverrichteter Dinge davon. Noch beim Rausgehen hab ich mich gefragt, weshalb sie mir gleich die preisgünstigen Alternativen aufgetischt hat. Ich schaute in den Spiegel – alles klar.

Einige Tage später war ich nochmals bei Douglas, da ich mich auf zwei Serien eingeschossen hatte und ausprobieren wollte. Diesmal hatte ich meinen eisblauen Wollmantel an und zumindest etwas Frische im Gesicht. Die Sonnenbrille war im Schlepptau, die Lippen glänzten, die Mütze war hip. Und huch, sofort schenkte mir die Beraterin wohlwollende Beachtung. Ich brauche noch keine Antifaltenpflege, eine gute Feuchtigkeitscreme reiche völlig aus. Ok, ich fühlte mich geschmeichelt – zog aber ebenfalls unverrichteter Dinge davon. Ich kenne meine Haut und bin Mitte 30. Ja, ich brauche mehr als nur Feuchtigkeit. Von Wasser allein kann ich nicht leben.

eisblauer mantel#

Also bin ich nun, mit hochgedrehten Wimpern und etwas aufgehübscht, am besagten Valentinstag nochmals in den Laden spaziert. Vorher mit halbwegs schlechter Laune, aber fest entschlossen, endlich zur Tat zu schreiten. Wieder wurde ich in meinem Wollmantel gescannt und mir diesmal sogar zugehört. Ich brauche eine Anti-Aging-Pflege und möchte keine 100 Euro ausgeben. Den Gutschein verschwieg ich erstmal- sonst hätte die Beautyberaterin keine Lust mehr gehabt, mich zu beraten. Und siehe da – wie auf auf Wolke 7 bin ich danach aus dem Laden mit den Beautywässerchen & Co. herausgeschwebt- in der Tüte eine solide Augenpflege von Venus. Einsteigerprodukt, aber sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Und eine Tagespflege, die wie die Augencreme und mir sehr wichtig ohne Parabene und ohne Paraffine ist.

Aber mit Edelweiss – meine Haut jodelt jetzt schon. Artemis heißt die Wunderwaffe.

Ich bin gespannt. Ist wohl eine Hausmarke bei Douglas, aber mit den besten Inhaltsstoffen. Und als kleines Geschenk gab’s eine Probepackung einer getönten Tagescreme von Origins. Seufz.

cremes

Ja, kleine Geschenke machen glücklich. Und Kleider Leute. Erschreckend aber wahr. Ich habe nämlich noch die Stimme der „Beraterin“ beim ersten Cremekaufversuch im Ohr, die meinte: „Es ist schwer, im niederpreisigen Segment eine Antifaltenpflege ohne Parabene zu finden.“ Äh, über den Preis, den ich ausgeben will, hatten wir bis dato noch gar nicht gesprochen.

Das ganze fällt wohl unter das Phänomen, dass blonde Frauen eher wahrgenommen und für schön befunden werden als Dunkelhaarige. Gibt es soziologische Studien drüber, weiß ich noch aus`m ersten Semester. Damals war ich übrigens noch dunkel. Ha!

 

15. Februar 2015 von Mrs. Popsock
Kategorien: Aus`m Leben, Beauty, Kleiderschrank | Schlagwörter: , , , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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